Weißdorn oder die Kraft der zwei Herzen

In einer Übersichtsarbeit in einer amerikanischen Zeitschrift nehmen Wissenschaftler aus dem Herzzentrum in Bad Krozingen Stellung zum Einsatz der Phytopharmakons (pflanzliches Heilmittel) Crataegus, das aus dem Rosengewächse Weißdorn gewonnen wird, in der Herzmedizin. Eingesetzt wurde es als eine spezielle Zubereitung WS 1442.
Crataegus ist den Kardiologen, den Allgemeinärzten, in der Homöopathie seit Langem bekannt und wurde insbesondere von den Letzteren als „mildes“ Herzstärkungsmittel vor dem Einsatz (aber auch anstatt) stärkerer Medikamente verwendet.

Schon in der Antike berichtet Dioskurides im 1. Jahrh n. Chr. über dieses Mittel und es war auch in der traditionellen chinesischen Medizin sowie bei bestimmten Indianerstämmen bekannt. Die bekannten Wirkungen sollen in einer positiven Inotropie (Herzstärkung), einer antiarrhytmischen Wirkung (Vermeidung von Rhythmusstörungen, sowie einer steigernden Wirkung auf die Durchblutung des Herzens bestehen.
Man muss Crataegus als eines der wirksamen pflanzlichen Heilmittel betrachten, und die Arbeit, von der wir berichten, versucht dies durch wissenschaftliche Studien zu belegen. In einer Zeit, in der wir einen Umbruch in der Heilmittelanwendung beobachten in bezug auf personalisierte Therapie, genetisch definierte Ansätze und auch mit kritischer Bewertung der gerade bei Älteren oft anzutreffenden Vielfachbehandlung ist die Forderung nach einer wissenschaftlichen Begründung einer konsequenten Therapie mit Naturheilmitteln immer wieder eingehend begründet worden. Die hier referierte Arbeit kann als Beispiel dafür gelten.

Was sind nun die Ergebnisse? Um es vorwegzunehmen, sie sind nicht schlagend oder umwerfend. Sie bewegen sich in der Grauzone zwischen Trend und Signifikanz, aber allein das ist ja schon ein Ergebnis.
Man hat Patienten gewählt mit einer EF von >25% und einer NYHA-Klasse II bis III. Hier wurde Crataegus entweder als Monotherapie oder als add-on gegeben, wobei sich nachteilige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht eingestellt haben. Das allein wäre ja schon ein Ergebnis.

Es zeigen sichTrends in der Herz-Ereignisrate (also etwa Herzinfarkt, Tod oder Herzschwäche), der Gesamtmortalität. Bei der Mortalität infolge plötzlichen Herztodes waren die Ergebnisse sogar signifikant! Ausserdem ergaben sich positive Ergebnisse bei der Trainingstoleranz, die ebenfalls signifikant waren.

So sind also diese Ergebnisse einer Nutzen-Risiko-Bewertung für Crataegus in dieser Zubereitung durchaus als positiv zu bewerten. Und große Bedeutung haben sie für die oben angesprochene Forderung nach einer wissenschaftlichen Begründung des Einsatzes pflanzlicher Mittel, sodaß hier ein Weg aufgezeigt ist, die Kluft zwischen Schul – und Naturmedizin ein wenig zu schließen.

Das heißt aber nicht, dass die homöopathische Scharlatanerie damit salonfähig geworden wäre. Das ist eine ganz andere Geschichte. Und Doppelherz – die Kraft der zwei Herzen: da muss man schon bedenken, dass die Wirkung aufs Gemüt hier nicht nur auf der Herzstärkung mit Crataegus, sondern auch und vor allem auf dem Gehalt von immerhin 17% Alkohol beruht. Das wiederum ist der falsche Weg.

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