Telemedizin und Herzschwäche

In einer Veröffentlichung im Lancet (Efficacy of telemedical interventional management in patients with heart failure TIM-HF2: a randomised, controlled, parallel-group, unmasked trial;Lancet online 25.8.2018; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31880-4) wurde an mehr als 1500 Patienten mit einer Herzschwäche NYHA II-III; EF <45%) nachzuweisen versucht, dass eine telemedizinische Überwachung (O2-Sättigung, EKG, Gewicht, Medikation, Fragebogen) signifikant weniger Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit zeigte als in der „normal“ behandelten Kontrollgruppe.

Es wurde als Ergebnis dieser RCT-Studie konstatiert, dass nunmehr die Telemedizin für ausgesuchte und spezielle Patienten allgemein eingeführt werden sollte. Das Bundesforschungsministerium hatte diese Studie mit 10 Mio € gefördert.

So einfach ist die Sache aber doch nicht. Es wurden in der Studie Patienten eingeschlossen, die sich mit einer Vielzahl von Equipment konfrontiert sahen, die von einem Team extra geschult werden mussten – von Dropouts wird nichts berichtet. 
Zum Zweiten ist zu bedenken, dass die Studie einen immensen personellen Aufwand betrieb: es waren nur für die Studie 1 Oberärztin, 3 Fachärzte, ein 4. aus dem Kliniksdienst verfügbar, 5 Pflegekräfte arbeiteten im Zentrum, 17 (!) vor Ort mit den Patienten. Dieser Aufwand muss im Alltagsbetrieb (Pflegenotstand!) erstmal dargestellt werden.
Drittens gab es eine Kontrollgruppe, aber diese ist nirgend definiert. Gab es da auch tägliche Visiten, oder waren die Arztkontakte erheblich reduziert? Wurde sie „sich selbst“ überlassen, wie im „real life“? Gab es nur pflegerische Kontakte, wenn ja, wie waren diese strukturiert?

Das alles hat ja einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ergebnisse und die Signifikanz der Resultate. Daher sollte man noch sehr vorsichtig mit der Aussage sein, diese Studie belege bereits deutlich den Wert der Telemedizin, die kurz vor der Einführung stünde. Dazu sind sicher noch weitere Untersuchungen notwendig, obwohl man den grundsätzlichen Wert und die Bedeutung durchaus akzeptieren sollte.

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