Medizin und Profit

Die so genannte Ärztegewerkschaft Marburger Bund, eine Interessenrvertretung angestellter und nachgeordneter Ärzte hat in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt vom 13.7.2018 gefunden, dass die Medizin – besonders seit der DRG-Einführung 2003 – „industrialisiert“ würde. Dieser Begriff hebt vor allem ab auf die Veränderung der medizinischen Dienstleistungen, die zu regelrechten Märkten wie etwa dem Gesundheitsmarkt geführt haben. Hier regelt Angebot und Nachfrage das Geschäft, und die Ärzteschaft ist davon nicht ausgenommen. Hier haben sich die  Krankenhauskonzerne (z.B. Helios oder Sana) schon seit langem „privatisiert“ und nun kommt es dazu (neben den Labor- und Radiologieketten) auch im Bereich der klassischen Arzt-Praxen. Praxisketten werden von Investoren dazu benutzt, eine profitable Struktur zu entwickeln und zu managen, bei der es ausschließlich um Gewinnmaximierung und Profit geht. Hierzu zählen nicht die inzwischen so zahlreichen MVZs, die ja nur den Sinn haben, die Zuweiserströme für die Krankenhäuser zu kanalisieren oder die Praxisarbeit durch angestellte Ärzte zu optimieren.

Dass „Renditebestrebungen im deutschen Gesundheitssystem ethisch nicht verantwortbar seien“ ist eine banale Aussage, die an der gelebten und erlebten Realität weit vorbei geht. In dieser Realität nämlich ist Profit schon lange übliche Praxis. Obwohl Profit, als wirtschaftliches, qualitätsorientiertes Handeln verstanden, nicht per se abzulehnen ist, kommt es aber in die berechtigte Kritik, wenn damit Personalabbau und Qualitätsminderung einhergehen und das vertrauensbasierte Arzt-Patientenverhältnis Schaden nimmt. Dies sind die ernsten Folgen einer sich ändernden medizinischen Wirklichkeit, die noch komplizierter wird, wenn man das Stichwort Digitalisierung hinzufügt. Telemedizin, elektronische Patientenakte, digitaler Arztkontakt etc. sind ebenfalls nicht per se  falsch oder „des Teufels“, aber sie werden in Wahrheit auch eingeführt, um Arbeitsabläufe weiter zu optimieren, d.h. profitabler zu gestalten. Die Absicht, das medizinische Personal im Ganzen zur entlasten und-  wie es so schön heißt – wieder patientennäher arbeiten zu lassen, ist meist nur schöner Schein, „fake“ sagt man heute.

Unsere Medizin enthumanisiert sich, und wenn sie das tut, wird sie erneut „Medizin ohne Menschlichkeit“, in der kranke Menschen bewusst oder unbewusst Schaden nehmen können!

So ist der Beitrag im Ärzteblatt ein weiterer Hinweis darauf, wie die Entwicklung nun aussieht und auch, dass bisher wenig gegengesteuert wurde.

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