Hören oder Schauen??

diesen Artikel fand ich heute in der Ärztezeitung, zitiert aus Heart-BMJ (http://heart.bmj.com/content/early/2018/05/24/heartjnl-2018-313082). Er will nachweisen, dass der Gebrauch des Stethoskops bei der Herzauskultation Klappenfehler nur unzureichend aufdecken kann. Er sagt aus, dass diese Methode eine Sensitivität (Ausschluss) von nur 40%, eine Spezifität (pos. Diagnose) von etwas mehr als 65% hat. Daher sollte man der Auskultation keine wesentliche Bedeutung mehr beimessen…

Was sagt uns das? Ich bin über diese „Studie“ empört.

Wir sind ja alle mit dem Gebrauch des Stethoskops als primärdiagnostisches Instrument und akustische Methode groß geworden. Wir erinnern uns an Harmjanz, Klaus Gahl, Walpurger, auch an Fritze Hartmann, die alle dem kenntnisreichen Auskultieren die notwendige, und wie ich meine unverzichtbare Bedeutung beigemessen haben. Die Kenntnis gewinnt man aber nur durch ausgiebige Erfahrung, und durch häufige Benutzung dieses Instruments!!

Sie alle waren aber auch Vertreter der vor-echokardiografischen Ära. Die heutigen Ärzte, die das „Dings um den Hals tragen“, als Statussymbol, aber oft wie kurz vor der Strangulation, wissen damit ausser zur Blutdruckmessung meist nicht umzugehen. Sie sind aber auch unfähig zu schauen, was die akustische Methode Echo alles so auf dem Bildschirm bietet. Ich habe erlebt, wie ein Kollege das deutliches Echo-Strömungssignal über der Aortenklappe nicht erkennen, geschweige denn messen konnte.

Diese Studie aber, die sich aus Daten von „erfahrenen “ Kollegen sowohl mit dem Stethoskop als auch mit der Echomaschine speist, läßt die Frage offen, ob diese „erfahrenen“ Kollegen wirklich einen MÖT und ein „leises Diastolikum“ über dem Aortenareal sicher „hören“ konnten. Und ob sie Länge und Intensität eines Aortenstenosegeräusches mit dem Schweregrad der Stenose korrelieren konnten. Eine ältere Studie konnte  ja m.W.n. zeigen, dass man „prä-apparativ“ sehr wohl in der Lage ist, auskultatorisch den Schweregrad eines Klappenfehlers, zumal einer AS, zu diagnostizieren, um den Pat. dann der gezielten, und natürlich echokardiografischen Diagnostik zuzuführen. Der einzige Nachteil ist, dass man im hohen Alter die hohen Frequenzen nicht mehr sicher hört. Aber die jungen Ärzte???

Fazit: ich halte diese Studie für grenzwertig und geeignet, dem apparativen und übrigens auch teuren Mainstream der Medizin Vorschub zu leisten.

 Leisten wir Widerstand, denn das Laennecsche Hörrohr am Ohr des Kundigen ist immer noch wichtiger als das Schaubild nach Edler und Hertz.

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