Die Sache mit der Homöopathie (I)

Gut für das Herz ist Arnika, Bergwohlverleih, denn der enthaltene Wirkstoff Helenalin kann „anregend“ wirken und wurde früher deshalb bei nicht näher definierter Kreislaufschwächen gegeben, doch heute ist die „innere“ Anwendung nicht mehr erlaubt. Daher hat sich dieser Pflanze die Homöopathie angenommen und verabreicht sie in Form der berühmten Globuli (Wirkstoff hoch verdünnt…) bei einer Vielzahl nicht nur zirkulatorischer, sondern auch entzündlicher oder degenerativer Erkrankungen. Klar ist nur, dass diese Globuli wissenschaftlich gesehen keinerlei Wirkung haben können und daher in den Bereich der Unsinnigkeiten, deren es in der Homöopathie so viele gibt, verwiesen werden müssen. Ein „europäischer Naturheilbund“ beschreibt die Wirkung dieser Anwendung wunderbar so:

Arnica ist ein wichtiges Wundheilmittel bei Verletzungen, Prellung (Kontusion), Verstauchung (Distorsion), Zerrung (Distension), Blutergüssen (Hämatome), Verbrennungen, Operationsfolgen oder nach Zahnextraktionen. Des Weiteren zählen Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems wie Herzenge (Angina pectoris), hoher Blutdruck (Hypertonie), Arterienverkalkung (Arteriosklerose), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), Hirnschlag (Apoplex), Fieber, Husten, rheumatische Beschwerden, Gicht, Muskelkater, Depression, Blutungen aller Art und verschiedene Entzündungen wie Hirnhautentzündung (Meningitis), Blinddarmentzündung (Appendizitis), Venenentzündung (Phlebitis) und Entzündungen des Haarbalgs (Furunkel) zu den Heilanzeigen dieser Arznei.“

Gut also für Furunkulose bis Angina Pectoris – wenn das kein Wundermittel ist…

Im Deutschen Ärzteblatt nun findet sich heute eine Würdigung der homöopathischen Medizin allgemein, der eigentlich nicht viel hinzuzufügen ist, wenn man der Medizin, besonders der Kardiologie,  ein naturwissenschaftliches Prinzip zugrundelegt.

Der „Münsteraner Kreis“, de sich mit der Frage der Wertigkeit er Homöopathie in medizinethischer Hinsicht befasst, führt aus:

„Knackpunkt beim Handeln der Homöopathie-Ärzte ist … die fehlende wissenschaftliche Evidenz.

Wie (der Kreis) ausführt, lägen homöopathische Präparate entsprechend der Lehre des Begründers dieser Fachrichtung, Dr. Samuel Hahnemann, bereits ab dem ersten Dynamisationsgrad in so starker Verdünnung vor, dass es vollkommen unerheblich sei, welche Einzelsubstanz, welche Pflanze oder welches Tier als Ausgangsmaterial dienen.

Die Homöopathie führe die Wirkung ihrer Mittel deshalb auch nicht auf pharmakologische Mechanismen zurück, sondern auf den heilsamen Einfluss immaterieller, geistartiger Wirkkräfte.

„Wenn die Musterweiterbildungsordnung für die Vergabe der Zusatzbezeichnung ‚Homöopathie‘ den Erwerb einer ‚fachlichen Kompetenz in Homöopathie‘ fordert, dann fordert sie nichts anderes als eine ‚Kompetenz‘ im Umgang mit geistartigen Kräften.

Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus wäre es dann ebenso gerechtfertigt, eine Zusatzbezeichnung ‚Gesundbeten‘ für die ‚Kompetenz‘ zu vergeben, welche Gebete zu welchen Heiligen bei welchen Krankheiten zur Anwendung kommen sollen“, heißt es launisch in dem Memorandum.“

Die Autoren wollen daher die Zusatzbezeichnung „Arzt für Homöopathie“ abschaffen, was man eigentlich nur begrüßen kann, obwohl seitens der Patienten eine deutliche Nachfrage nach dieser Form der Medizin besteht. Das ist dann auch das Hauptargument der Gegenseite, und eigentlich ist dieses Verhalten einer ernsthaften Untersuchung zuzuführen, bevor man in Bausch und Bogen eine Ablehnung favorisiert. Hier kommt nämlich eine Grundtendenz unserer Gesellschaft zum Ausdruck, die sich von der technisierten Medizin abwendet und alles, was Naturheilkunde heißt, boomen läßt. Dieser Prozess ähnelt auch dem Boom des Begriff s „Bio“, bei dem längs nicht mehr „bio drin ist, wo bio draufsteht“. Was also hat dieser erstaunliche gesellschaftliche Switch zu bedeuten?

Das Stichwort lautet „Placeboeffekt“ und meint die belegbare therapeutische Wirkung eines Mittels, dessen objektiver Wirkungsnachweis nach naturwissenschaftlichen Kriterien fehlt. Es bestehen Beziehungen zu Ganzheitsmedizin und empathischer Behandlungskonfiguration im Gegensatz zu angstbesetzter und als kalt empfundener Medizintechnik – so wichtig sie für die Therapie auch ist (aggressive Krankheiten müssen aggressiv behandelt werden).

Wir werden dies in einem zweiten Essay zu erklären versuchen.

 

 

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