Der Doc vom Bildschirm

Der Ärztetag 2018 hat gesprochen: Das Fernbehandlungsverbot wird aufgehoben. Der neue Gesundheitsminister begrüßt das natürlich.

Erfurt – Die Ausweitung der Fernbehandlung ist beschlossene Sache. Die Reaktionen auf den Beschluss des 121. Deutschen Ärztetags fallen bei Politik, Ärzten und Krankenkassen weitgehend positiv aus. Mit Onlinesprechstunden würden Patienten unnötige Wege und Wartezeiten erspart, begrüßte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Entscheidung zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots. Damit helfen wir Ärzten und Patienten, sagte er.

Spahn kündigte an, einen Runden Tisch mit Vertretern der Ärzteorganisationen und ihrer Selbstverwaltung sowie des Deutschen Pflegerates einzuberufen. Dieser Expertenkreis soll die praktische Umsetzung des Beschlusses beraten. „Die neuen Möglichkeiten telemedizinischer Behandlung wollen wir jetzt auch für den Versorgungsalltag der Menschen erreichbar machen.“ Spahn hatte zum Auftakt des Ärztetages in Erfurt für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots geworben. (aerzteblatt.de; 10.05.2018)

Nun wird das allerdings auch präzisiert und dabei – ein bisschen – relativiert:

(aerztezeitung, 11.5.2018) Die neue Regelung in der Musterberufsordnung der Ärzte (MBO-Ä) sieht künftig in Paragraf 7 Abs. 4 vor, dass Ärzte „im Einzelfall“ auch bei ihnen noch unbekannten Patienten eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien vornehmen dürfen. Sofern dies „ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt“ gewahrt ist.

„Entscheidend ist hier die Verantwortung des Arztes und, dass es richtig dokumentiert wird“, sagte Montgomery. Die Sorgen und Ängste der Ärzte, die sich in der Debatte am Mittwoch zeigten, nimmt die BÄK dabei sehr wohl ernst.

„Sie zeigen, wie wichtig uns allen die Arzt-Patienten-Beziehung ist“, so Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der BÄK. Aber gerade deshalb sollten Ärzte die Digitalisierung und Fernbehandlung aktiv mitgestalten.

Der Zusatz: „soweit dies ärztlich vertretbar sei und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt sei…“ ist dabei der Schlüsselsatz. Denn er bedeutet, wenn er ernst genommen wird, eine praktische Aufhebung des Beschlusses. Denn ein Erstkontakt als reiner Bildkontakt ohne reales Gegenüber ist in hohem Maße unärztlich, wie ich das schon oft betonte. Er ist eigentlich nie ärztlich vertretbar und läßt eigentlich immer die ärztliche Sorgfalt ausser acht.

So kann man gegenüber diesem Beschluss und seiner Umsetzung eigentlich wie heute üblich gelassen bleiben und abwarten, wie die Praxis sich darstellen wird. Doch die jungen Ärzte in ihrer Sucht, ihre Work-Life-Balance zu realisieren, werden das wohl anders sehen. Tablet und Apple sei dank.

Ich bin aber nicht grundsätzlich gegen die Einbindung der digitalen medizinischen Möglichkeiten. Das habe ich auch an andere Stelle schon mehrfach dargestellt; sie müssen nur abgewogen und verhältnismäßig eingesetzt werden. Und der Patient muss Herr aller seiner Daten bleiben.

Ein Gedanke zu „Der Doc vom Bildschirm

  1. Hennersdorf

    Und schon hat sich eine versicherungsgebundene Telemed-Firma aus der Schweiz gemeldet, die „ohne Probleme das Angebot auch für Deutschland hochfahren kann“. Genau das ist der falsche Weg! Wer schützt denn die Patienten vor der Ausnützung, ja, und Ausbeutung durch die Krankenkassen (die natürlich immer das Beste wollen)? Die hier angesprochene Krankenkasse ist die Allianz…

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