Archiv der Kategorie: Gesundheits-Politik

Telemedizin und Herzschwäche

In einer Veröffentlichung im Lancet (Efficacy of telemedical interventional management in patients with heart failure TIM-HF2: a randomised, controlled, parallel-group, unmasked trial;Lancet online 25.8.2018; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31880-4) wurde an mehr als 1500 Patienten mit einer Herzschwäche NYHA II-III; EF <45%) nachzuweisen versucht, dass eine telemedizinische Überwachung (O2-Sättigung, EKG, Gewicht, Medikation, Fragebogen) signifikant weniger Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit zeigte als in der „normal“ behandelten Kontrollgruppe.

Es wurde als Ergebnis dieser RCT-Studie konstatiert, dass nunmehr die Telemedizin für ausgesuchte und spezielle Patienten allgemein eingeführt werden sollte. Das Bundesforschungsministerium hatte diese Studie mit 10 Mio € gefördert.

So einfach ist die Sache aber doch nicht. Es wurden in der Studie Patienten eingeschlossen, die sich mit einer Vielzahl von Equipment konfrontiert sahen, die von einem Team extra geschult werden mussten – von Dropouts wird nichts berichtet. 
Zum Zweiten ist zu bedenken, dass die Studie einen immensen personellen Aufwand betrieb: es waren nur für die Studie 1 Oberärztin, 3 Fachärzte, ein 4. aus dem Kliniksdienst verfügbar, 5 Pflegekräfte arbeiteten im Zentrum, 17 (!) vor Ort mit den Patienten. Dieser Aufwand muss im Alltagsbetrieb (Pflegenotstand!) erstmal dargestellt werden.
Drittens gab es eine Kontrollgruppe, aber diese ist nirgend definiert. Gab es da auch tägliche Visiten, oder waren die Arztkontakte erheblich reduziert? Wurde sie „sich selbst“ überlassen, wie im „real life“? Gab es nur pflegerische Kontakte, wenn ja, wie waren diese strukturiert?

Das alles hat ja einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ergebnisse und die Signifikanz der Resultate. Daher sollte man noch sehr vorsichtig mit der Aussage sein, diese Studie belege bereits deutlich den Wert der Telemedizin, die kurz vor der Einführung stünde. Dazu sind sicher noch weitere Untersuchungen notwendig, obwohl man den grundsätzlichen Wert und die Bedeutung durchaus akzeptieren sollte.

Medizin und Profit

Die so genannte Ärztegewerkschaft Marburger Bund, eine Interessenrvertretung angestellter und nachgeordneter Ärzte hat in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt vom 13.7.2018 gefunden, dass die Medizin – besonders seit der DRG-Einführung 2003 – „industrialisiert“ würde. Dieser Begriff hebt vor allem ab auf die Veränderung der medizinischen Dienstleistungen, die zu regelrechten Märkten wie etwa dem Gesundheitsmarkt geführt haben. Hier regelt Angebot und Nachfrage das Geschäft, und die Ärzteschaft ist davon nicht ausgenommen. Hier haben sich die  Krankenhauskonzerne (z.B. Helios oder Sana) schon seit langem „privatisiert“ und nun kommt es dazu (neben den Labor- und Radiologieketten) auch im Bereich der klassischen Arzt-Praxen. Praxisketten werden von Investoren dazu benutzt, eine profitable Struktur zu entwickeln und zu managen, bei der es ausschließlich um Gewinnmaximierung und Profit geht. Hierzu zählen nicht die inzwischen so zahlreichen MVZs, die ja nur den Sinn haben, die Zuweiserströme für die Krankenhäuser zu kanalisieren oder die Praxisarbeit durch angestellte Ärzte zu optimieren.

Dass „Renditebestrebungen im deutschen Gesundheitssystem ethisch nicht verantwortbar seien“ ist eine banale Aussage, die an der gelebten und erlebten Realität weit vorbei geht. In dieser Realität nämlich ist Profit schon lange übliche Praxis. Obwohl Profit, als wirtschaftliches, qualitätsorientiertes Handeln verstanden, nicht per se abzulehnen ist, kommt es aber in die berechtigte Kritik, wenn damit Personalabbau und Qualitätsminderung einhergehen und das vertrauensbasierte Arzt-Patientenverhältnis Schaden nimmt. Dies sind die ernsten Folgen einer sich ändernden medizinischen Wirklichkeit, die noch komplizierter wird, wenn man das Stichwort Digitalisierung hinzufügt. Telemedizin, elektronische Patientenakte, digitaler Arztkontakt etc. sind ebenfalls nicht per se  falsch oder „des Teufels“, aber sie werden in Wahrheit auch eingeführt, um Arbeitsabläufe weiter zu optimieren, d.h. profitabler zu gestalten. Die Absicht, das medizinische Personal im Ganzen zur entlasten und-  wie es so schön heißt – wieder patientennäher arbeiten zu lassen, ist meist nur schöner Schein, „fake“ sagt man heute.

Unsere Medizin enthumanisiert sich, und wenn sie das tut, wird sie erneut „Medizin ohne Menschlichkeit“, in der kranke Menschen bewusst oder unbewusst Schaden nehmen können!

So ist der Beitrag im Ärzteblatt ein weiterer Hinweis darauf, wie die Entwicklung nun aussieht und auch, dass bisher wenig gegengesteuert wurde.

Der Doc vom Bildschirm

Der Ärztetag 2018 hat gesprochen: Das Fernbehandlungsverbot wird aufgehoben. Der neue Gesundheitsminister begrüßt das natürlich.

Erfurt – Die Ausweitung der Fernbehandlung ist beschlossene Sache. Die Reaktionen auf den Beschluss des 121. Deutschen Ärztetags fallen bei Politik, Ärzten und Krankenkassen weitgehend positiv aus. Mit Onlinesprechstunden würden Patienten unnötige Wege und Wartezeiten erspart, begrüßte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) die Entscheidung zur Liberalisierung des Fernbehandlungsverbots. Damit helfen wir Ärzten und Patienten, sagte er.

Spahn kündigte an, einen Runden Tisch mit Vertretern der Ärzteorganisationen und ihrer Selbstverwaltung sowie des Deutschen Pflegerates einzuberufen. Dieser Expertenkreis soll die praktische Umsetzung des Beschlusses beraten. „Die neuen Möglichkeiten telemedizinischer Behandlung wollen wir jetzt auch für den Versorgungsalltag der Menschen erreichbar machen.“ Spahn hatte zum Auftakt des Ärztetages in Erfurt für eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots geworben. (aerzteblatt.de; 10.05.2018)

Nun wird das allerdings auch präzisiert und dabei – ein bisschen – relativiert:

(aerztezeitung, 11.5.2018) Die neue Regelung in der Musterberufsordnung der Ärzte (MBO-Ä) sieht künftig in Paragraf 7 Abs. 4 vor, dass Ärzte „im Einzelfall“ auch bei ihnen noch unbekannten Patienten eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien vornehmen dürfen. Sofern dies „ärztlich vertretbar ist und die erforderliche ärztliche Sorgfalt“ gewahrt ist.

„Entscheidend ist hier die Verantwortung des Arztes und, dass es richtig dokumentiert wird“, sagte Montgomery. Die Sorgen und Ängste der Ärzte, die sich in der Debatte am Mittwoch zeigten, nimmt die BÄK dabei sehr wohl ernst.

„Sie zeigen, wie wichtig uns allen die Arzt-Patienten-Beziehung ist“, so Dr. Josef Mischo, Vorsitzender der Berufsordnungsgremien der BÄK. Aber gerade deshalb sollten Ärzte die Digitalisierung und Fernbehandlung aktiv mitgestalten.

Der Zusatz: „soweit dies ärztlich vertretbar sei und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt sei…“ ist dabei der Schlüsselsatz. Denn er bedeutet, wenn er ernst genommen wird, eine praktische Aufhebung des Beschlusses. Denn ein Erstkontakt als reiner Bildkontakt ohne reales Gegenüber ist in hohem Maße unärztlich, wie ich das schon oft betonte. Er ist eigentlich nie ärztlich vertretbar und läßt eigentlich immer die ärztliche Sorgfalt ausser acht.

So kann man gegenüber diesem Beschluss und seiner Umsetzung eigentlich wie heute üblich gelassen bleiben und abwarten, wie die Praxis sich darstellen wird. Doch die jungen Ärzte in ihrer Sucht, ihre Work-Life-Balance zu realisieren, werden das wohl anders sehen. Tablet und Apple sei dank.

Ich bin aber nicht grundsätzlich gegen die Einbindung der digitalen medizinischen Möglichkeiten. Das habe ich auch an andere Stelle schon mehrfach dargestellt; sie müssen nur abgewogen und verhältnismäßig eingesetzt werden. Und der Patient muss Herr aller seiner Daten bleiben.

Die Sache mit der Homöopathie (II)

Es war der Naturheiler Samuel Hahnemann (1755-1843), der als der Vater der Homöopathie gilt („Similia similbus curentur“ – „Ähnliches möge durch Ähnliches geheilt werden“; Prinzip der Wirkung durch extreme Wirkstoffverminderung) und der als Autor und streitbarer Arzt seine Sache mit Kraft und Durchsetzung vermarktet hat. Heute ist die Homöopathie eine immer mehr vom Patienten nachgefragte medizinische Variante, die zwar nicht evidenzbasiert, aber zusammen mit Naturheilkunde und chinesischer traditioneller Medizin das Angebot an sog. alternativer Medizin komplettiert.

Es steht außer Zweifel, dass die Homöopathie keine wissenschaftlich begründete Medizin darstellt, sondern sich anderer (esoterischer) Behandlungsinhalte bedient. Wir müssen sie als fakten- und wissenschaftlich orientierte Ärzte ablehnen. Doch dass bestimmte Anwendungsformen etwa der Globuli, deren Wirkstoffkonzentration gegen Null geht, doch „irgendwie“ heilsame Wirkungen entfalten können, wird berichtet, aber nicht begründet. Sie entbehren jeder wissenschaftlichen Absicherung. Dieser mögliche Widerspruch läßt sich nur durch den Begriff des Placebo-Effekts angenähert auflösen.

Was ist ein Placebo-Effekt (neuerdings durch den Begriff Nocebo ergänzt)? Es ist sich wörtlich übersetzt „es wird gefallen“.  Der Effekt „gefällt“ als in eine Wirkung auch dann, wenn diese eigentlich vom Evidenzstandpunkt her unmöglich ist, wenn im Heilmittel kein Wirkstoff enthalten ist. Wir das haben früher auch „weiße-Salbe-Effekt“ genannt, also ein Effekt, der eintritt, obwohl er eigentlich nicht eintreten sollte – Besserung oder gar Heilung. Ein anderer Satz in diese Richtung lautet: „Wer heilt, hat recht.“ Der Satz gibt also auch den Ärzten der Homöopathie „recht“, wenn sich ein Heilerfolg einstellt. Und manchmal stellt er sich ja auch ein; der Mensch muss nur daran glauben.

Diese „positive“ Erwartungshaltung des Patienten ist für den Placeboeffekt besonders wichtig und erklärt, warum in der letzten Zeit die Nachfrage für esoterische Heilmethoden gestiegen ist. Das berührt das weite Feld der psychischen Auseinandersetzung des Menschen als Patient mit der Schulmedizin, die als abweisend, kalt und unverständlich, dabei auch schädlich, empfunden wird. Der feste Glaube an die „andere“, „sanftere“ Medizin stellt also die Basis für die Placeboeffekte dar und begründet, warum die Homöopathie einen so festen Platz im therapeutischen Gefüge einnimmt. Sie füllt eine Leerstelle als ein Platzhalter aus, die die Schulmedizin (noch) nicht bedienen kann. Es ist aber anzunehmen, dass sich da was ändert: Sprechmedizin, Zeitvorgabe pro Patient, Verständnistherapie u.v.m. werden derzeit in der Fachwelt und der Politik diskutiert (s. Koalitionsvertrag 2018).

Sollte sich also eine Änderung in der Zukunft einstellen, dann wäre der Homöopathie, mit ihren verschwimmenden Grenzen zur unseriösen Scharlatanerie der Boden unter den Füssen weggezogen Das wäre zu wünschen. Aber solange…

Herzenssache: Beschichtete Stents boomen

„Die Zahl der Herzkranzgefäß-Eingriffe ist auf Rekordstand. Für 2013 wurden in Deutschland gut 335.000 Krankenhausfälle mit dieser Indikation verzeichnet, darunter etwa 53.000 Bypass-Operationen am offenen Herzen. Das geht aus dem Barmer GEK Report Krankenhaus 2014 hervor, den Vertreter der Kasse am Dienstag in Berlin vorgestellt haben.Die Zahl der stationären Patienten, deren verengte Herzkranzgefäße mit Stents und Ballondilatation oder mit Bypass behandelt wurden, sei damit zwischen 2005 und 2013 um vier Prozent gestiegen, berichtete die Leiterin der Untersuchung, Professorin Eva Maria Bitzer. Drei von vier Eingriffen entfielen auf Männer.Im gleichen Zeitraum ist die Zahl der Menschen, die wegen einer koronaren Herzkrankheit im Krankenhaus waren, um 24 Prozent auf 67 Betroffene je 10.000 gesetzlich Versicherte zurückgegangen.Den Widerspruch erklären die Autoren des Reports vor allem damit, dass mehr Menschen, die früher nicht behandelt worden wären, heute behandelt werden, und mit den Wiedereingriffsraten.

Der Einsatz beschichteter Stents hat  im Beobachtungszeitraum um 227 Prozent zugenommen. Das Versprechen einer geringeren Gefahr von Komplikationen und eines erneuten Eingriffs könnten auch die beschichteten Stents nicht halten, sagte Bitzer. Diese Raten in der Routineversorgung lägen bei allen Interventionen binnen fünf Jahren jenseits der 30-Prozent-Marke. Studien legten dagegen nahe, dass die Rate erneuter Eingriffe bei beschichteten Stents nur zwischen drei und vier Prozent liegen dürfe, sagte Bitzer. Ob beschichtete Stents tatsächlich der Goldstandard seien, stehe damit in Frage.“

via Herzenssache: Beschichtete Stents boomen.

Da wird nun doch ein Widerspruch sichtbar, denn einerseits sind die Wiedereingriffszahlen – egal mit welchem Stent – nach diesem Report doch wie immer bei über 30%, jedoch bei den beschichteten Stents „nur“ bei 4% (nach allerdings einem anderen, nicht zitierten Report). Was stimmt denn nun?

Arzt im Krankenhaus

Der Arzt von heute hat im Krankenhaus von heute einen kritischen Stand. Er ist mehr und mehr im Zustande der Entfremdung und ist sogar fremdbestimmt. Was ist damit gemeint? Zunächst meint man damit den Zustand vieler im Krankenhaus tätiger Ärzte, die sich aufmachten, kranke Menschen zu heilen oder mindestens ihren Zustand zu bessern, Verordnungen zu ihrem Nutzen an- und Schaden von ihnen abzuwenden. So steht es im Hippokratischen Eid, der seit 2500 Jahren gültige Handlungskodex des Arztes. In seiner Entwicklung vom Siechenhaus der Ordensschwestern des Mittelalters über das Hotel de Dieu der Wissenschaft in der Zeit der Aufklärung hin zum modernen Dienstleistungszentrum im Verbund meist großer Konzerne ist das Krankenhaus historisch immer dem Krankenwohl verpflichtet gewesen. Doch das hat sich in einer gravierenden Weise geändert. Es begann in den 70er Jahren, als sich drei Krankenhaustypen herauskristallisierten: die kommunalen, die frei-gemeinnützigen (kirchlichen) und die privat geführten Einrichtungen; letztere waren damals in der Minderzahl. Auch wurde damals der Trend zum Großkrankenhaus gesetzt (Typ AK Wien oder Uniklinik Aachen der TH), der auch der zunehmenden Spezialisierung, einem weiteren Trend der zeit, Rechnung trug. Kleinere Häuser wurden geschlossen oder es wurde wenigstens mit der Schließung seitens des Trägers gedroht. Um diesem Schicksal zu entgehen, entschlossen eich damals viele Krankenhäuser auch kleineren Zuschnitts zur Spezialisierung. Schrittmacher dieser Entwicklung war die Kardiologie. Diese hatte seit der Etablierung von Koronarografie durch SONES und JUDKNS in den 60ern, der Herzchirurgie – in der Form der Koronarchirurgie – und schließlich der Ballon-Dilatation den Weg freigemach für eine effektive und nachhaltige Behandlung der koronaren Herzerkrankung. Die Entwicklung war stürmisch; die zunächst dafür vorgesehenen Universitätskliniken wurden schon bald durch die nicht-universitären Zentren ergänzt, auch wegen der steigenden Nachfrage. Damit auch stiegen die Kosten dieser sog. Apparatemedizin dramatisch, die von den Krankenkassen geleistet werden mussten, eine Entwicklung, die bis heute bei weitem nicht abgeschlossen ist.

Studie: Fluglärm macht Herzpatienten noch kränker

Studie: Fluglärm macht Herzpatienten noch kränker (aus: Ärztezeitung v. 25.8.2014)

Fluglärm verschlechtert die Gesundheit von Herzpatienten, das zeigt eine Untersuchung von Wissenschaftlern der Mainzer Universitätsmedizin. Demnach führt nächtlicher Fluglärm bei Menschen mit koronarer Herzerkrankung oder einem Risiko hierfür zu deutlichen Gefäßschäden und erhöhtem Blutdruck.Das teilte die Unimedizin am Freitag mit. Die Endothelfunktion habe sich bei den mit Fluglärm belasteten Patienten im Lauf der Untersuchung deutlich verschlechtert, heißt es.

Diese Ergebnisse zeigen einmal mehr, dass der Lärm in unserer Gesellschaft zu einem krankmachenden Faktor geworden ist. Die Lärmursachen aber werden meist totgeschwiegen oder verharmlost. Denn dazu gehören so wichtige politische Themen wie Militärfluglärm, Anfluglärm in der Nähe großer Flughäfen (Frankfurt), die sich die Politiker meist als positive Merkmale ihrer politischen Karriere anheften möchten. Störungen, und seien es gesundheitliche Risiken, werden da gern übersehen.

 

Verstehen die Deutschen ihren Arzt nicht?

Ärztezeitung v. 16.7.2014

„Die Gesundheitskompetenz der Deutschen lässt zu wünschen übrig: Fast 60 Prozent der GKV-Versicherten wissen nur wenig über Gesundheit. Das zeigt eine repräsentative bundesweite Befragung zur Gesundheitskompetenz des wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO). Auffällig: Besonders die unter 30-Jährigen in dieser Gruppe monieren Verständnisprobleme. Tauchen Schwierigkeiten auf, betrifft dies vorwiegend Prävention und Medikation. Insgesamt rund jeder Zehnte gab an, Mühe dabei zu haben, die Anweisungen seines Arztes zur Einahme der verschriebenen Medikamente zu verstehen. Und etwas mehr als jedem Zehnten (12,1 Prozent) ist nicht klar, warum er Vorsorgeuntersuchungen wie Krebsfrüherkennung braucht. Im Vergleich mit anderen europäischen Ländern schneidet Deutschland unterdurchschnittlich ab. Die deutschen GKV-Versicherten erreichen auf der Mess-Skala für Gesundheitskompetenz im Mittel einen Wert von 31,9.
Ursache dessen ist für die WIdO-Forscher vor allem, dass mehr als die Hälfte der Versicherten Schwierigkeiten hatten, Informationen zu Gesundheit zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und umzusetzen. Fast ein Drittel tut sich schwer Medieninformationen zu verstehen, heißt es in der Studie. Etwa 37 Prozent der Befragten können zudem nur schwer beurteilen, ob eine Zweitmeinung einzuholen ist oder nicht.
Grundlage dieser Ergebnisse ist eine telefonische Befragung von circa 2000 Versicherten ab 18 Jahren im Zeitraum zwischen Dezember 2013 und Januar 2014 der Universität Duisburg-Essen.“


Hierzu ist zu sagen, dass gerade unsere Website Zweitmeinung – Arzt fragen! sich zum Ziel gesetzt hat, für den Bereich Herzkreislaufkrankheiten diese Lücke zu füllen. Hier findet der Besucher zum Thema immer die neuesten Ergebnisse, und, was besonders wichtig ist, diese werden vom Webmaster (selber Kardiologe) immer auf dem neuesten Stand gehalten. Hinzu kommt, dass die Website unabhängig ist, d.h. es wird nicht für Pharma- oder Technikfirmen geworben.

Besuchen Sie also diese Seite. Es lohnt sich. Gleichermaßen geboten werden verständliche Informationen sowie Kontakte und Interaktion.

Frauen über 30: Rumsitzen ist besonders schlecht fürs Herz

Rumsitzen ist besonders schlecht fürs Herz! Und das gilt besonders für Frauen.

Die Gefahr, eine koronare Herzkrankheit zu bekommen, ist bei Frauen über 30 Jahren am höchsten, wenn sie sich zu wenig bewegen. Bei jüngeren Frauen hingegen spielt ein anderer Faktor die entscheidende Rolle.
Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Bluthochdruck sind die wichtigsten KHK-Risikofaktoren.
Nur vier Risikofaktoren werden für ein Viertel bis die Hälfte aller KHK-Fälle weltweit verantwortlich gemacht: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Bewegungsmangel.

Bei den Frauen konnte bis zum 30. Lebensjahr das KHK-Risiko hauptsächlich auf Tabakkonsum zurückgeführt werden: Bei Rauchverzicht würden in der Altersgruppe 59 Prozent aller KHK-Fälle entfallen. Bei Frauen zwischen 70 und 75 Jahren wären es nur 5 Prozent.

Den Spitzenplatz im KHK-Risiko bei den Frauen über 30 Jahren besetzte fehlende oder geringe körperliche Aktivität. Sie war definiert als Energieverbrauch von weniger als 600 MET-Minuten pro Woche, das sind weniger als 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität wie beim Golfen oder bei der Gartenarbeit.

Der Beitrag zur KHK lag zwischen 48 Prozent (Frauen unter 40) und 24 Prozent (Frauen über 72).

Damit war physische Trägheit auch für mehr ischämische Herzerkrankungen verantwortlich als ein erhöhter BMI. Das Risiko bewegte sich hier zwischen 30 Prozent bei den Jüngsten und 11 Prozent bei den Ältesten. Bluthochdruck steuerte in jungen Jahren nur wenig zum KHK-Risiko bei, in höherem Alter waren es maximal 11 Prozent.

Aufgrund ihrer Ergebnisse sehen die Studienautoren um Wendy J. Brown von der Queensland University zwei Schwerpunkte für die KHK-Prävention bei Frauen: Erstens müssten die Anstrengungen verstärkt werden, den Tabakkonsum von jungen Frauen weiter zu senken.

Zweitens sei es notwendig, Frauen in jedem Lebensalter zu mehr Bewegung zu motivieren. „Öffentliche Programme zur Förderung der körperlichen Aktivität verdienen eine sehr viel höhere Priorität, als es derzeit der Fall ist.“

via Frauen über 30: Rumsitzen ist besonders schlecht fürs Herz.

Studie: Fleischwaren begünstigen Herzversagen

Eine Studie in Circulation Heart Failure zeigt jetzt erstmals, dass der Konsum von Fleischwaren mit einer erhöhten Rate von Herzinsuffizienzen assoziiert ist.

Im Spätherbst 1997 hatten alle Männer zwischen 45 und 79 Jahren der schwedischen Provinzen Västmanland und Örebro einen ausführlichen Fragebogen zu ihren Ernährungs- und Lebensgewohnheiten erhalten. Fast 50.000 schickten ihn zurück. Sie gaben unter anderem Auskunft über ihren Verzehr von Bratwürsten, Salami, Blut- und Leberwurst und andere Fleischwaren von Schwein und Rind, die aufgrund ihrer Farbe als „rotes“ Fleisch bezeichnet werden, um sie von Geflügelwaren abzugrenzen.

Um die Fleischwaren schmackhafter und haltbar zu machen, versetzen sie die Schlachter und Fleischfabriken mit einer Reihe von Stoffen, deren Auswirkungen auf die Gesundheit umstritten sind. Ein hoher Salzkonsum könnte den Blutdruck erhöhen. Nitrite, die im Darm aus den Nitraten entstehen, werden mit einer endothelialen Dysfunktion und einer gestörten Insulinwirkung in Verbindung gebracht. Phosphate können den Kalzium-Stoffwechsel stören. In der Summe könnte dies zu einer erhöhten Rate von Herzkrank­heiten führen, an deren Ende eine Herzinsuffizienz steht.

Männer, die mehr als 75 Gramm „roter“ Fleischwaren am Tag verzehrten, hatten ein um 28 Prozent erhöhtes Risiko auf ein Herzversagen. Das Sterberisiko an Herzinsuffizienz war sogar mehr als verdoppelt. Bereits ein bis zwei Scheiben Schinken (50 Gramm) am Tag steigern auf Dauer das Erkrankungsrisiko um 8 Prozent und das Sterberisiko um 38 Prozent.

Wie immer in Studien dieser Art lässt sich nicht ausschließen, dass andere Faktoren für die Assoziation verantwortlich sind. So könnten Fleischesser aus irgendeinem Grund weniger Sport treiben oder andere kardiale Risikofaktoren haben, die in der Studie nicht erfragt wurden.

Zu den Schwächen der Studie gehört auch, dass sie die etwaige Ein­nahme von Medikamenten nicht berücksichtigen konnte und die Anzahl der Fragen zum Fleischkonsum in dem 96-Punkte-Fragenbogen insgesamt gering war. Sollte die Assoziation jedoch kausaler Natur sein, dann könnte ein Wechsel auf nicht-verarbeitete Fleischwaren helfen. Ihr Verzehr war in der Studie weder mit einer erhöhten Rate von Erkrankungen noch mit einem erhöhten Sterberisiko assoziiert.

via Deutsches Ärzteblatt: Studie: Fleischwaren begünstigen Herzversagen.