Behandlung aus der Ferne

Immer wieder geistern durch die Medien (Ärztebatt) Meldungen, nach denen das „Fernbehandlungsverbot“ gelockert, ja aufgehoben werden soll.

Um es vorwegzunehmen, ich als älterer Arzt bin strikt gegen solche technischen Spielereien.

Was hat es damit nun auf sich?

Es bedeutet nichts anderes, als dass der Patient sich über ein so genanntes optischen Endgerät (PC, Tablet, Smartphone) mit seinem Hausarzt verbindet und nun seine Beschwerden schildert. Der Arzt kann dann durch Augenschein und Abfrage bei diesem Erstkontakt nicht nur feststellen, was der Patient hat – er stellt also eine Ferndiagnose – sondern er kann auch behandeln.

Verrückter geht es wohl nicht. Aber er Reihe nach: Niemand bezweifelt, dass es in manchen Regionen mit dem Arzt und seiner Sprechstunde (Beispiel ländliche Region) Schwierigkeiten geben kann. Das ist auch bekannt. Die digitalen Möglichkeiten, also Telemetrie von Daten etwa von Schrittmachern, die Begutachtung von Hauterkrankungen, von Wunden, sind da möglicherweise hilfreich. Das ist zwar auch noch nicht unbedingt bewiesen, aber immerhin, man kann es sich vorstellen. Das ist dann aber kein Erstkontakt, sondern folgt der absolut notwendigen Vorstellung des Patienten als ganzer Mensch (!) in der Praxissprechstunde. Da beißt die berühmte Maus keinen Faden ab.

Nun der Erstkontakt: Mit der Ausnahme von Bewegungsabläufen (nur bedingt), Hauterkrankungen oder den bereits bekannten Wunden kann eine ferndiagnostische Kontaktaufnahme weder den persönlichen Eindruck, die haptische, optische und akustische Beurteilung (und Gesamt-Einschätzung) niemals ersetzen. Es geht eben immer um den Ganzheitsanspruch der Beurteilung, und das ist über ein elektronisches System niemals möglich (noch nicht?). Gehen, Stehen und sich Verhalten sind neben der unverzichtbaren körperlichen Untersuchung (die es heute auch nicht mehr in allen Fällen gibt…) notwendige Bestandteile einer Diagnose, und damit auch einer Behandlung.

Wie schieb ich in der Startseite meiner „Zweitmeinung„? Einen Arztbesuch und das persönliche Gespräch mit dem behandelnden Arzt ersetzen diese Seiten nicht. Ein persönliches Arztgespräch ist unverzichtbar! 

Dabei sollte es bleiben.

2 Gedanken zu „Behandlung aus der Ferne

  1. Hennersdorf

    Ist ja nun auch Gegenstand auf dem diesjährigen Ärztetag. Abgesehen von der „Fernbehandlung“ – Widerspruch in sich, denn das Wort „Hand“ bedeutet ja schon direkten Kontakt mit allen Konsequenzen für die Diagnose – geht es auch um die Telemedizin allgemein. Und die ist seit Jahrzehnten noch nicht aus den Kinderschuhen herausgekommen. Das wiederum finde ich schade, denn die ist in der Zukunft von unschätzbarem Vorteil und unverzichtbar.

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  2. Hennersdorf

    Und es gibt noch einen anderen Gesichtspunkt, der heute beim Studium der einschlägigen Presse auffiel: die eigentlich recht unbekannte Stiftung Patientenschutz (gleichwohl guter Name) fürchtet, dass durch die Telesprechstunde (Fernbehandlung) und ohne persönlichen Erstkontakt die alten, schwachen und meist schwerkranken, behandlungsbedürftigen Menschen vom Arztbesuch abgehalten werden. Dies sei ein erheblicher Nachteil, der das Abgehängtsein vertiefe. Artbesuche, früher wesentlicher Bestandteil eines ärztlichen Kontakts, sind heute immer weniger „im Angebot“, um im ökonomischen Bild der modernen Medizin zu bleiben.

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