Archiv des Autors: admin-herzaktuell

Ersthelfer-Skandal

Es ist wohl medizinisches Allgemeingut, dass eine Wiederbelebung um so wirkungsvoller ist, je schneller sie einsetzt, d.h. der Ersthelfer ist der Schlüssel zum Erfolg. Es wird heute von jedem Bürger gefordert, dass er die klassischen Massnahmen des so genanten Basic Life Support BLS, also  Herzdruckmassage und evtl. Atemspende (zunehmend optional) beherrscht. Leider ist das immer noch nicht in der ganzen Breite unserer Gesellschaft angekommen. Doch Menschen mit besonderer Verantwortung, Ärzte per se und auch im Sport Tätige, etwa Sportlehrer oder Sport-Übungsleiter, sollte das primär beherrschen und regelmäßige Trainings absolvieren.

Uns nun das.

Man liest es und reibt sich die Augen: während einer Schulstunde mit Heranwachsenden und unter der Aufsicht von Sportlehrern kippt einer der Schüler plötzlich um, ist bewusstlos und wird in stabile Seitenlage verbracht. Es wird ein Notruf abgesetzt. BLS: Fehlanzeige.
Der herbeigerufene Notarzt reanimiert, erzielt ROSC und im Krankenhaus wird der Reanimierte weiterbehandelt. Der Entlasszustand ist wenig erfreulich: Irreversibler Hirnschaden mit Wachkoma oder nahe dran, Komplettlähmung und später Pflegefall im Rollstuhl. Es wurde keine Erstversorgung mit BLS und (notwendig oder nicht) AED durchgeführt, obwohl hier Sportlehrer mit großer Verantwortung tätig waren. Diese sollen nun qua ordre de mufti zu Lehrgängen mit den Inhalten der Ersten Hille verpflichtet werden.

Ja ist es denn die Möglichkeit?

Heute wird von allen mündigen Bürgern, ja sogar von Heranwachsenden, gefordert, sich in Erster Hilfe und damit in der Technik der Wiederbelebung, fit zu halten. Und hier muss ein Sportlehrer, der in einem besonderen Verantwortungsbezug zu seinen Schülern steht, und der durch sachgerechte Behandlung  einen Hirnschaden hätte fast sicher verhindern können, zu Ausbildung in Reanimationtechnik erst verpflichtet werden. Wir kennen zwar nicht die endgültige Diagnose des Patienten, doch spricht eben alles dafür, dass sach- und zeitgerechte Behandlung zu einem besseren Ergebnis hätte führen können.

Es ist ein Skandal.

Das Blutdruckchaos

Da reden die Experten – oder solche, die sich dafür halten – seit Jahren über den so genannten optimalen Blutdruck und legen, was Wunder, Grenzwerte fest. Grenzwerte  sind heute in aller Munde, allerdings meist im Zusammenhang mit der blamablen Verhaltensweise unser Autoindustrie. Jetzt und hier geht es aber um den arteriellen Blutdruck, Risikofaktor Nummer eins für Schlaganfall und Herzinsuffizienz.

Die transatlantischen und europäischen Welten differieren. Erheblich. So empfiehlt ein Gremium in de USA, den syst. Blutdruck in jedem Fall auf unter 130/80 mm Hg zu senken. In Europa soll der Blutdruck unter 140/90 mm Hg gesenkt werden. In einer jetzt veröffentlichten Studie (2018 HYVET;Hypertension in the Very Elderly Double Blind Trial) kommt zum Ausdruck, dass eine solche Senkung (unter 130 mm Hg) auch bei Älteren (>75) zu einer Senkung des Sterberisikos um 33% führt. kardiovaskuläre Vorerkrankungen waren dabei allerdings ausgeschlossen und die Nachbeobachtungszeit belief sich auf 1,8 Jahre.

BIS Studie
In der Berliner Initiative Studie (BIS; Beginn 2009) bei Patienten mit Vorerkrankungen und über 70 Jahren kam nun jedoch heraus, dass das so nicht stimmen kann. Diese Patienten haten bei einer Senkung des Blutdrucks auf unter 140 mm Hg ein massiv erhöhtes Sterberisiko, nämlich von bis zu 61%

Diese sehr aussagekräftige 10Jahres-Studie läßt den Schluss zu, dass bei den Älteren der so genannte „Erfordernishochdruck“ denn doch eine Rolle spielt. Dieser ist uns Alten aus unseren Lehrbüchern der Inneren Medizin, also von vor 50 Jahren, wohl bekannt und auch die ärgerlichen Kommentare der Besserwisser ebenso, die uns zuriefen „veraltet“, „gefährlich“, „übertrieben“ und massiv zur intensiven medikamentösen Therapie, über die das letzet Wort ja auch noch nicht gesprochen ist, aufriefen.

Hinzu kommt, dass die USA-Grenzwerte zu nichts anderem führten, nämlich zu einer noch intensiveren Befriedigung der Ansprüche der leidenden Pharmaindustrie, ihren Umsatz zu erhöhen. Da ist es nun wieder wie bei der Autoindustrie.

Ich bin für die Berücksichtigung von BIS und würde eine Erniedrigung des Blutdrucks bei uns Älteren unter 140 mm Hg für nicht „erforderlich“ halten!

Medizinische Apps für Laien

Es gibt nach Erhebungen des Gesundheitsministeriums ca. 100.000 so genannte Apps, für Patienten, deren Sinn, Unsinn und Nutzen für die Gesundheit bisher nicht beurteilt werden konnten. Urheber der Apps sind Privatpersonen, Krankenkassen, Pharmafirmen und Organisationen wie etwa die Deutsche Herzstiftung. Es sind in der Regel Kontrollprogramme. Oft befassen sie sich mit der persönlichen Fitness und kontrollieren die jeweiligen Trainingsprogramme auf Effizienz.

Die eigentlichen medizinischen Apps aber sollen dem Patienten in seiner täglichen „Gesundheitskontrolle“ dienlich sein, also z.B. bei

  • Medikamenteneinnahme
  • Symptomkontrolle
  • Notfallregime

Sie alle setzen voraus, dass der Patient sowohl mit der Computertechnik als auch mit der Technologie seines Smartphones vertraut ist, was angesichts der fraglichen Altersgruppe nicht immer gegeben ist. Das ändert sich wahrscheinlich mit der Zeit, denn die „nachrückenden“ Generationen sind immer besser mit dieser individuellen Digitalisierung vertraut. Sie sind aber auch anfälliger für die Fallstricke der Digitalisierung, also der kritiklosen Übernahme der Daten, der Übermittlung der persönlichen Daten an Dritte, etc. Letzteres sollte zwar durch die neue europäische DSGVO minimiert sein, aber durch oft erzwungene Autorisierung in der Bedienung der App wird das unterlaufen.

Beispiele:

Fischöl oder nicht?

Es geht nochmals um die Omega-3-Fettsäuren, also das berühmte Fischöl.

REDUCE-IT heißt die Studie, die im New England Journal of Medicine 2018 publiziert wurde und derzeit für einiges Aufsehen sorgte. Denn vor einigen Wochen kursierte die Meldung in den medizinischen Medien, dass gemäß mehrerer Meta-Analysen an mehr als 100.000 Patienten (ORIGIN, ASCEND, VITAL) mit Hypercholesterinämie kein Effekt von Fischöl und dessen Omega-3-Gehalt auf die klassischen Endpunkte einer herkömmlichen Studie – Tod, Schlaganfall oder Herzinfarkt – festzustellen waren. Das Fazit lautete: Fischöl bringt leider nichts.

Die neue Studie nun, die mit Eicosapentaensäure, einem hochgereinigten Bestandteil des Fischöls, durchgeführt wurde, zeigte an Patienten mit erhöhten Triglyceridwerten nun doch eine Wirkung, in der Form, dass diese Patienten signifikant in Bezug auf die genannten Endpunkte, profitierten, und zwar mit bis zu 25%.

Das mediale Interesse war groß, schien es doch zunächst, dass die Voranalysen mit ihrer Aussage „Fischöl sein unwirksam“ad acta gelegt werden konnten. Doch der Teufel liegt wie immer im Detail. Hier die Unterschiede:

  1. Nicht ein Fettsäurengemisch „Fischöl“, das auch als Nahrungsergänzung gilt, wurde verabreicht, wie in den Metanalysen dargelegt, sondern eine hochgereinigte Form der Eicosapentaensäure, namens AMR101 oder Vascepa.
  2. Die Metaanalysen bezogen sich auf den klassischen Risikofaktor Hypercholesterinämie, während REDUCE-IT nur Patienten mit einer Erhöhung der Triglyceride (TG) untersucht hat.
  3. Meta-Analysen und kontrollierte randomisierte Vergleichsstudien sind grundsätzlich andere wissenschaftliche Ansätze.

Man kann also folgern, dass erstens die beiden Studienansätze sowohl im Design (Meta-Analyse vs. RDC) als auch bezüglich der Zielgruppe (hohes Cholesterin vs. Trigylceride) keinesfalls vergleichbar sind (Birnen und Äpfel). Daher sind auch die Aussagen jeweils für sich durchaus relevant, aber keinesfalls kompatibel.

Die TG sind ein eigenständiger Risikofaktor und werden erhöht besonders bei Diabetikern gemessen. Sie sind Bestandteil der VLDL-Partikel („very low density lipoproteins“) und ihre Senkung war bisher unbefriedigend. Dies haben dann ja  auch die Metaanalysen bestätigt. Durch die REDUCE-IT-Studie nun kommt ein neues Behandlungsprinzip zum Tragen, das für eine allerdings begrenzte Patientengruppe eine beachtliche Wirkung nachweist.

Es bleibt also dabei: Omega-3-Fettsäuren als Nahrungsergänzung sind out. TG-Erhöhungen (etwa bei Dabetikern) können aber wahrscheinlich mit einer Spezialität (Eicosapentaensäure) wirkungsvoll behandelt werden. Bleibt nur die Frage, warum die Studie von einer Firma gesponsert wurde, die genau dieses Medikament herstellt?

Weißdorn oder die Kraft der zwei Herzen

In einer Übersichtsarbeit in einer amerikanischen Zeitschrift nehmen Wissenschaftler aus dem Herzzentrum in Bad Krozingen Stellung zum Einsatz der Phytopharmakons (pflanzliches Heilmittel) Crataegus, das aus dem Rosengewächse Weißdorn gewonnen wird, in der Herzmedizin. Eingesetzt wurde es als eine spezielle Zubereitung WS 1442.
Crataegus ist den Kardiologen, den Allgemeinärzten, in der Homöopathie seit Langem bekannt und wurde insbesondere von den Letzteren als „mildes“ Herzstärkungsmittel vor dem Einsatz (aber auch anstatt) stärkerer Medikamente verwendet.

Schon in der Antike berichtet Dioskurides im 1. Jahrh n. Chr. über dieses Mittel und es war auch in der traditionellen chinesischen Medizin sowie bei bestimmten Indianerstämmen bekannt. Die bekannten Wirkungen sollen in einer positiven Inotropie (Herzstärkung), einer antiarrhytmischen Wirkung (Vermeidung von Rhythmusstörungen, sowie einer steigernden Wirkung auf die Durchblutung des Herzens bestehen.
Man muss Crataegus als eines der wirksamen pflanzlichen Heilmittel betrachten, und die Arbeit, von der wir berichten, versucht dies durch wissenschaftliche Studien zu belegen. In einer Zeit, in der wir einen Umbruch in der Heilmittelanwendung beobachten in bezug auf personalisierte Therapie, genetisch definierte Ansätze und auch mit kritischer Bewertung der gerade bei Älteren oft anzutreffenden Vielfachbehandlung ist die Forderung nach einer wissenschaftlichen Begründung einer konsequenten Therapie mit Naturheilmitteln immer wieder eingehend begründet worden. Die hier referierte Arbeit kann als Beispiel dafür gelten.

Was sind nun die Ergebnisse? Um es vorwegzunehmen, sie sind nicht schlagend oder umwerfend. Sie bewegen sich in der Grauzone zwischen Trend und Signifikanz, aber allein das ist ja schon ein Ergebnis.
Man hat Patienten gewählt mit einer EF von >25% und einer NYHA-Klasse II bis III. Hier wurde Crataegus entweder als Monotherapie oder als add-on gegeben, wobei sich nachteilige Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten nicht eingestellt haben. Das allein wäre ja schon ein Ergebnis.

Es zeigen sichTrends in der Herz-Ereignisrate (also etwa Herzinfarkt, Tod oder Herzschwäche), der Gesamtmortalität. Bei der Mortalität infolge plötzlichen Herztodes waren die Ergebnisse sogar signifikant! Ausserdem ergaben sich positive Ergebnisse bei der Trainingstoleranz, die ebenfalls signifikant waren.

So sind also diese Ergebnisse einer Nutzen-Risiko-Bewertung für Crataegus in dieser Zubereitung durchaus als positiv zu bewerten. Und große Bedeutung haben sie für die oben angesprochene Forderung nach einer wissenschaftlichen Begründung des Einsatzes pflanzlicher Mittel, sodaß hier ein Weg aufgezeigt ist, die Kluft zwischen Schul – und Naturmedizin ein wenig zu schließen.

Das heißt aber nicht, dass die homöopathische Scharlatanerie damit salonfähig geworden wäre. Das ist eine ganz andere Geschichte. Und Doppelherz – die Kraft der zwei Herzen: da muss man schon bedenken, dass die Wirkung aufs Gemüt hier nicht nur auf der Herzstärkung mit Crataegus, sondern auch und vor allem auf dem Gehalt von immerhin 17% Alkohol beruht. Das wiederum ist der falsche Weg.

Telemedizin und Herzschwäche

In einer Veröffentlichung im Lancet (Efficacy of telemedical interventional management in patients with heart failure TIM-HF2: a randomised, controlled, parallel-group, unmasked trial;Lancet online 25.8.2018; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(18)31880-4) wurde an mehr als 1500 Patienten mit einer Herzschwäche NYHA II-III; EF <45%) nachzuweisen versucht, dass eine telemedizinische Überwachung (O2-Sättigung, EKG, Gewicht, Medikation, Fragebogen) signifikant weniger Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit zeigte als in der „normal“ behandelten Kontrollgruppe.

Es wurde als Ergebnis dieser RCT-Studie konstatiert, dass nunmehr die Telemedizin für ausgesuchte und spezielle Patienten allgemein eingeführt werden sollte. Das Bundesforschungsministerium hatte diese Studie mit 10 Mio € gefördert.

So einfach ist die Sache aber doch nicht. Es wurden in der Studie Patienten eingeschlossen, die sich mit einer Vielzahl von Equipment konfrontiert sahen, die von einem Team extra geschult werden mussten – von Dropouts wird nichts berichtet. 
Zum Zweiten ist zu bedenken, dass die Studie einen immensen personellen Aufwand betrieb: es waren nur für die Studie 1 Oberärztin, 3 Fachärzte, ein 4. aus dem Kliniksdienst verfügbar, 5 Pflegekräfte arbeiteten im Zentrum, 17 (!) vor Ort mit den Patienten. Dieser Aufwand muss im Alltagsbetrieb (Pflegenotstand!) erstmal dargestellt werden.
Drittens gab es eine Kontrollgruppe, aber diese ist nirgend definiert. Gab es da auch tägliche Visiten, oder waren die Arztkontakte erheblich reduziert? Wurde sie „sich selbst“ überlassen, wie im „real life“? Gab es nur pflegerische Kontakte, wenn ja, wie waren diese strukturiert?

Das alles hat ja einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Ergebnisse und die Signifikanz der Resultate. Daher sollte man noch sehr vorsichtig mit der Aussage sein, diese Studie belege bereits deutlich den Wert der Telemedizin, die kurz vor der Einführung stünde. Dazu sind sicher noch weitere Untersuchungen notwendig, obwohl man den grundsätzlichen Wert und die Bedeutung durchaus akzeptieren sollte.

Ernährung und das Herz II

  • Milchprodukte: Omega 3-Margarine statt Butter, Sojamilch zum Kaffee statt 3,5%-iger Vollmilch? Tatsache ist, dass selbst die Experten hier keine endgültige Antwort haben. „Es scheint keinen eindeutigen Konsensus in den publizierten Studien und unter Experten zu geben, inwieweit Milchprodukte das kardiovaskuläre Risiko beeinflussen“, lautet ihr Fazit.Es scheine zwar eine Assoziation zwischen der Zufuhr mancher Milchprodukte und erhöhten LDL-Spiegel, erhöhtem Frakturrisiko und der Gesamtmortalität zu geben, etwa für Butter und Käse. Aber inwieweit dieser Risikoanstieg eine Rolle spiele, sei unklar. Für sinnvoll halten es die Experten, den Konsum fettreicher Milchprodukten einzuschränken. Diese seien in den USA immerhin eine Hauptquelle für gesättigte Fettsäuren und Salz.
Auf Milchprodukte zu verzichten, ist ihrer Ansicht nach aber nicht förderlich: „Fettreduzierte Milchprodukte sind eine wichtige Quelle für essenzielle Vitamine, Mineralien sowie qualitativ hochwertige Proteine.“

  • Zucker: Beim Zucker ist die Datenlage eindeutig. Immer mehr Studien hätten einen kausalen Zusammenhang zwischen überhöhtem Zuckerkonsum und der Entstehung von koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfällen und der KHK-bedingten Mortalität gezeigt, heißt es in dem Leitfaden. Ein erhöhter Zuckerkonsum fördere Atherosklerose, unabhängig von der Gewichtszunahme.Die Empfehlung der Experten ist daher ganz klar: Weniger Zucker. Konkret sollten Frauen nicht mehr als 100 Kalorien und Männer nicht mehr als 150 Kalorien täglich an zugefügten Zucker zu sich nehmen. Ärzte sollten ihren Patienten generell zu einer vollwertigen Ernährung mit wenigen Fertigprodukten raten und sie darauf sensibilisieren, Lebensmittel auszuwählen, die wenig Zucker enthalten. Ganz besonders kritisch sehen Freeman und Kollegen den Konsum von Softdrinks. Auf derart gesüßte Getränke sollte man möglichst verzichten.

  • Hülsenfrüchte: Überzeugend ist nach Ansicht der Experten der positive kardiovaskuläre Effekt von Hülsenfrüchten, also etwa Bohnen, Linsen, Kichererbsen. „Hülsenfrüchte sollten Bestandteil einer jeglichen Diät sein, die auf eine kardiometabolische Gesundheit abzielt.“ Sie sind reich an Ballaststoffen, Proteinen, Polyphenolen und Saponinen und ihre Aufnahme sei in randomisierten Studien mit einem geringeren KHK-Risiko, verbesserten Glukose- und LDL-C-Werten, einer Senkung des Blutdrucks und einem geringeren Körpergewicht einhergegangen.

Ernährung und das Herz I

In der Ärztezeitung v. 6.8.2018 wurde das heutige Wissen über positive Effekte einer ausgewogenen Ernährung auf das Herzkreislaufsystem zusammengefasst. Hier finden sich z.B. Angaben über Kaffee, Tee, Alkohol und Hülsenfrüchte, die sich in Maßen günstig auswirken sollen, aber auch über die Omega-3-Fettsäuren, bei denen nach einer Meta-Analyse der Cochrane-Gruppe neuerdings diese Wirkung sehr in Frage gestellt wird. 

Wichtig scheint mir aber auch der Hinweis, dass Zucker in jedem Falle bei der Nahrungsaufnahme reduziert sein muss  (150 cal pro Tag), was dem tatsächlichen Verzehr bei unseren Kindern und uns Erwachsenen allerdings nicht entspricht.

Dennoch ist diese Zusammenstellung lesenswert und gibt erneut Aufschluss darüber, dass eine ausgewogene und auf natürliche Bestandteile ausgerichtete Ernährung sich günstig auswirkt.

Neues vom Sport

Das Pedelec ist aus dem Szenario der Freizeit-Radler, zumal bei dem jetzigen schönen Wetter, praktisch nicht mehr wegzudenken. Man sieht sie beim Radeln auf den Freizeitstrecken immer und überall, die älteren Mitmenschen, die stolz auf ihren Elektrofahrrädern sitzen und schon durch ihre Haltiung verraten, dass sie ohne das Gerät wahrscheinlich nicht radfahren würden. Ein ganz großer Vorteil ist das, der aber in der Öffentlichkeit nicht immer richtig ankommt. Von Renntnern, von wilden Pensionären ist die Rede und davon, dass die Unfallstatistik mit diesen „Dingern“ deutlich zugenommen habe. Dass Letzteres daran liegt, das eben wesentlich mehr ältere Menschen auf das E-Rad steigen, und daher allein schon deshalb die Unfallhäufigkeit steigen muss, wird ausser Acht gelassen.

Wichtig ist auch der Vorwurf des bisher wissenschaftlich nicht erwiesenen sportlichen Nutzens, „Schonfahren“ ist das Motto. Daraus wird abgeleitet, dass ein Trainingseffekt nicht eintritt und der geforderte Herzkreislaufnutzen eines Ausdauertrainings, der für andere Ausdauer-Sportarten, hier Radfahren besonders, nachgewiesen ist, ebenfalls fehlt.

Eine neue Studie aus der Schweiz untersuchte nun das Verhalten von E-Bike (Pedelec)-Fahrern im Vergleich zu konventionellen Radlern, die das Fahrrad auf dem Wege zur Arbeit mit selbst gewählter Geschwindigkeit benutzten. Es stellt sich heraus, dass die Interventionsgruppe der 28 E-Biker im Vergleich zur Kontrollgruppe (15 Biker) einen Trainingseffekt aufweisen konnte. Die max. Sauerstoffaufnahme (peak VO2) gilt als Gold-Standard für den Nachweis eines Trainingsgeffekts. Dieser nahm in der E-Biker-Gruppe auf 3,6 ml/kg*min gegenüber nur 2.2 ml/kg*min in der Kontrollgruppe zu, als Effekt im Trend eindeutig, doch war er nicht signifikant.

Die Autoren schließen, dass das Pedelec wegen seiner bessern Terraineigenschaften (höhere Durchschnittsgeschwindigkeit und leichtere Steigungs-Überwindung) diese Effekte erklärt.

HI Herz.BIKE Saar
Unsere seit 11 Monaten laufende Studie bei Patienten mit einer Herzschwäche (HI-Herz.BIKE Saar)  stützt diese Ergebnisse auch, sodaß man vorbehaltlich weiterer Studien möglicherweise empfehlen kann, das Pedelec als nützliches Trainingsgerät bei älteren Probanden mit einer Herzkreislaufkrankheit einzusetzen. Die ärztliche Eignungsbeurteilung ist natürlich Voraussetzung!

Medizin und Profit

Die so genannte Ärztegewerkschaft Marburger Bund, eine Interessenrvertretung angestellter und nachgeordneter Ärzte hat in einem Beitrag im Deutschen Ärzteblatt vom 13.7.2018 gefunden, dass die Medizin – besonders seit der DRG-Einführung 2003 – „industrialisiert“ würde. Dieser Begriff hebt vor allem ab auf die Veränderung der medizinischen Dienstleistungen, die zu regelrechten Märkten wie etwa dem Gesundheitsmarkt geführt haben. Hier regelt Angebot und Nachfrage das Geschäft, und die Ärzteschaft ist davon nicht ausgenommen. Hier haben sich die  Krankenhauskonzerne (z.B. Helios oder Sana) schon seit langem „privatisiert“ und nun kommt es dazu (neben den Labor- und Radiologieketten) auch im Bereich der klassischen Arzt-Praxen. Praxisketten werden von Investoren dazu benutzt, eine profitable Struktur zu entwickeln und zu managen, bei der es ausschließlich um Gewinnmaximierung und Profit geht. Hierzu zählen nicht die inzwischen so zahlreichen MVZs, die ja nur den Sinn haben, die Zuweiserströme für die Krankenhäuser zu kanalisieren oder die Praxisarbeit durch angestellte Ärzte zu optimieren.

Dass „Renditebestrebungen im deutschen Gesundheitssystem ethisch nicht verantwortbar seien“ ist eine banale Aussage, die an der gelebten und erlebten Realität weit vorbei geht. In dieser Realität nämlich ist Profit schon lange übliche Praxis. Obwohl Profit, als wirtschaftliches, qualitätsorientiertes Handeln verstanden, nicht per se abzulehnen ist, kommt es aber in die berechtigte Kritik, wenn damit Personalabbau und Qualitätsminderung einhergehen und das vertrauensbasierte Arzt-Patientenverhältnis Schaden nimmt. Dies sind die ernsten Folgen einer sich ändernden medizinischen Wirklichkeit, die noch komplizierter wird, wenn man das Stichwort Digitalisierung hinzufügt. Telemedizin, elektronische Patientenakte, digitaler Arztkontakt etc. sind ebenfalls nicht per se  falsch oder „des Teufels“, aber sie werden in Wahrheit auch eingeführt, um Arbeitsabläufe weiter zu optimieren, d.h. profitabler zu gestalten. Die Absicht, das medizinische Personal im Ganzen zur entlasten und-  wie es so schön heißt – wieder patientennäher arbeiten zu lassen, ist meist nur schöner Schein, „fake“ sagt man heute.

Unsere Medizin enthumanisiert sich, und wenn sie das tut, wird sie erneut „Medizin ohne Menschlichkeit“, in der kranke Menschen bewusst oder unbewusst Schaden nehmen können!

So ist der Beitrag im Ärzteblatt ein weiterer Hinweis darauf, wie die Entwicklung nun aussieht und auch, dass bisher wenig gegengesteuert wurde.